- My IIA 88

"Hedley" - mein Landy bekommt einen Namen!

District Officer Hedley, der britische Polizist und Parkranger aus der Serie "DAKTARI" - eine Erinnerung aus der Kinderzeit - ist Namensgeber für meinen Landy. Er und Dr. Marsh Tracy (der Daktari = Doktor) sind irgendwie "schuld" an meiner Liebe zu Landrover. Schon seit dieser Kinderzeit wollte ich genau so einen Wagen fahren, was für den Alltag nicht so wirklich tauglich ist. Also fahre ich seit vielen Jahren die etwas zivileren Ausführungen der gleichen Marke, aber jetzt hat es geklappt und ich bin Besitzer eines Landrover Serie IIA aus dieser Zeit - heute ein Oldtimer und fast auf den Tag genau so alt wie ich selbst!
...bin ich dann also auch schon ein Oldtimer??

TECHNIK - HISTORIE - DOKUMENTE

Die "gute alte" Technik!

Frei nach dem Kabarettisten "Malmsheimer":
"Früher war nicht alles besser - das ist Quatsch! Früher war nur alles....früher. Aber früher waren viele Dinge gut! ...und die wären das heute auch noch!- Wenn man mal die Finger davon gelassen hätte!"
Und dann kommt die legendäre Sequenz mit dem "Wurstbrot" - wer mag schaut mal bei Youtube unter diesen Schlagworten nach - oder klickt hier ;-)
...und, was hat der Mann??? Recht hat der Mann!!!


Die entsprechende
Recherche in England - beim BMIHT in Gaydon im Archiv - war erfolgreich. Die Teileliste und das Heritage-Certificate sind angekommen - das Zertifikat gibts weiter unten.

Hier also die inzwischen eingetroffene Liste der verbauten Teile in der technischen Spezifikation.

Zu dieser technischen Spezifikation ist zu sagen, dass die abgebildete Version inzwischen die dritte Ausführung ist. Hier zeigt sich, dass es nicht immer 100% schlüssige Dokumentationen gegeben hat, denn als Vergaser (Carburettor) wurde erst ein ZENITH, dann ein SOLEX angegeben, der auch nicht mit dem zur Zeit eingebauten Typ übereinstimmt. Da ich keinen Grund habe, anzunehmen, dass der eingebaute Typ ein Ersatzteil ist, bleibt hier eine Lücke. Für alle, die das genau haben möchten, in meinem Landy werkelt ein "SOLEX B40 PA 10-5" Vergaser - so steht das jedenfalls da drauf! Auch die Angabe zur Verdichtung von 7:1 oder 8:1 kann ich nach meinen Recherchen der eingebauten Maschine eher auf 7:1 bestimmen.




Es ist schön, wenn man zu seinem Oldtimer auch die Geschichte kennt! 

Noch bin ich mitten in den Recherchen, aber ich habe schon eine recht gute Übersicht, wo sich Hedley seit seiner Montage in Solihull "herumgetrieben" hat.
Viel Spass beim Lesen - ich finde die Story bemerkenswert...


14.08.1964 Hedley wird montiert!

Hier das Zertifikat des BMIHT aus England, das ich dort bestellt hatte. Dort sind alle Fertigungsunterlagen von Landrover (seit 1948 fast komplett!!) und verschiedenen anderen Marken archiviert und können eingesehen werden. Hedley ist also im August "auf die Welt gekommen" und wurde dann am 09.09.1964 an die Schweizer Armee ausgeliefert. Eingetroffen ist er dort wohl 10 Tage später, denn vom 19.09.1964 gibts ja den ersten "Prüfungsbericht" - siehe weiter unten.



19
64 - 1965


Im Herbst 1964 tritt ein knapp 19 Jahre alter Schweizer seinen Dienst an und wird Fahrer des "Dienst-Motorfahrzeugs" mit dem Kennzeichen M+96674. Während der Dienstzeit hatte der junge Schweizer Rekrut leider einen recht schweren Unfall beim Beladen eines LKW und wird in der Folge aus dem Dienst entlassen - er nimmt den Landrover (sein Dienstfahrzeug) wie bereits geplant mit! Das war damals möglich, denn um die Anzahl der einsatzbereiten Fahrzeuge hoch zu halten, hatte der Bundesrat der Schweiz schon am 29. November 1949 beschlossen, Fahrzeuge an Reservisten abzugeben. Das war verbunden mit der Auflage, das Fahrzeug mindesten 8 Jahre lang auf eigene Kosten instand zu halten, dafür war der Kaufpreis sehr günstig. Nach Ablauf der Haltefrist (die scheinbar auch länger sein konnte) ging das Fahrzeug dann endgültig in den alleinigen Besitz des Käufers über.


Hedley spricht also "Schwyzerdütsch" ;-)     

1966 - 2008

Hedley hat einen treuen Besitzer, der ihn fast 45 (!!!) Jahre lang behält und selbst fährt. Allerdings weniger als Alltagsfahrzeug, sondern mehr in einer kleinen Landwirtschaft und auf dem Gelände seines Unternehmens. Dort wird er über lange Jahre fast ausschließlich im Winter zum Schneeräumen verwendet - die übrige Zeit steht der Landy in der Garage und döst vor sich hin. Im Sommer ist sogar oft die Batterie abgeklemmt und der Motor startet dann erst wieder im Herbst beim ersten Schneefall. So kommen nur sehr wenige Kilometer zusammen, knapp 1000 pro Jahr im Schnitt, wobei schon in der Militärzeit ca. 8000 km gefahren wurden.
Nachdem mal wieder eine Reparatur ansteht und Hedley ja nun schon so lange Dienst getan hat, beschließt der Schweizer Besitzer ihn an einen Händler ganz in der Nähe seines Wohnortes zu verkaufen. Der will den  Landy wieder herrichten und hat den Plan, ihn dann in die Öl-Emirate zu exportieren, denn dort sind solche Wagen wohl gesucht.
...es sollte anders kommen...

2008/2009

Der Händler schickt Hedley nicht in die Wüste, nein, es findet sich ein deutscher Käufer und Hedley zieht um in die Nähe von Zwickau. Wann der Import nach Deutschland genau stattgefunden hat, lässt sich leider am sehr verwischten Zollstempel des Zollamt Singen nicht erkennen, aber es muss 2008 oder 2009 gewesen sein. Der neue Besitzer scheint den Landy dann ein wenig hergerichtet zu haben, wobei nichts an der Originalität verändert wurde. In Deutschland wird der Landy dann am 08.06.2010 das erste mal zugelassen - so steht es jedenfalls im KFZ-Brief. Ich werde versuchen, auch das noch genau zu recherchieren, aber der Kontakt zum 2. Vorbesitzer ist noch nicht hergestellt.

ab 2013

Ende Februar/Anfang März bin ich dann auf der Suche nach einem Landy, Serie 2, grün, Plane, 88er Radstand - das sind meine Eckdaten. Benziner 2,25l als Motor und guter Zustand ist gesucht und wird gefunden. Nicht im Rhein-Main-Gebiet, nein, freundliche 430km weit weg in Dessau steht so ein Landy. Ich setze mich also in meinen "Alltags-Landy" Discovery 4 und fahre dort hin. Es ist kalt und der Himmel ist grau, Schnee ist angesagt. In einer alten Fabrikhalle hat das Autohaus Raeder die Oldtimer geparkt, die auf einen Käufer oder die Restauration warten - und da steht auch Hedley. Ja, genau so soll der aussehen: nicht "gepimpt" bis zum Riffelblech im Fussraum, sondern einfach, ehrlich geradeaus - eben ein echter Landy - jawoll! Wir werden uns handelseinig und der Rest ist schnell erzählt: Warten auf ein paar Ersatzteile (neuer Auspuff z.B. und neue Steckscheiben) einige Wartungsarbeiten als Basic und ein neuer TÜV - dazu die Eintragung der fehlenden Reifengrößen.
Am 02.04. stehe ich dann mit dem Transportanhänger auf dem Hof und hole Hedley ab. Das und weiteres findet sich ab hier im Tagebuch...



Einige alte Dokumente, über die Vergangenheit von Hedley, der ja seine Karriere in der Schweizer Armee im September 1964 begonnen hat.

Am Anfang stand wohl eine Grundsatz-Entscheidung:
 

Der erste Prüfungsbericht vom 19.09.1964:

Das Dienstbuch M+96674:












Das Fahrtenbuch von M+96674:









Der Kursplan für die Käufer von Dienstfahrzeugen:
(...mehr dazu in der HISTORIE)


Die Originale Betriebsanleitung von Hedley: